EU-Bankenreform in Gefahr

Tag der Veröffentlichung: 26. Februar 2015

TBTF DE

Der Vorschlag der EU-Kommission für eine Strukturreform des EU-Bankensektors (auf Engl. „bank structural reform“ oder kurz BSR, offiziell „Verordnung über strukturelle Maßnahmen zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von Kreditinstituten in der Union“) ist ein zentraler und bislang noch fehlender Baustein bei der Re-Regulierung des Finanzsektors nach der Finanzkrise. Es handelt sich insbesondere deshalb um ein so wesentliches Element, da es gerade das systemische Risiko ist, das verringert werden muss, um eine neue Finanzkrise weniger wahrscheinlich werden zu lassen. Zusammengefasst kann man sagen, dass es bei dem Vorschlag darum geht, innerhalb der größten Banken in der EU die Handelsaktivitäten (auch bekannt als Investmentbanking) von den traditionellen Bankenaktivitäten (Einlagen, Kreditvergabe, Zahlungssystem) abzutrennen. So solle die Bankenunion funktionsfähig und sichergestellt werden, dass im Krisenfall nicht erneut der Steuerzahler einspringen muss.

Aus Sicht von Finance Watch bedeutet dieser Gesetzesvorschlag zwar einen Schritt in die richtige Richtung, indem etwas gegen Banken unternommen wird, die weiterhin zu groß sind zum Pleitegehen (auf Engl. Too-Big-To-Fail, kurz TBTF). Allerdings müsste man ihn dazu noch weiter verschärfen, damit man die gesetzten Ziele auch wirklich erreichen kann und letztlich die Banken wieder auf die Realwirtschaft ausgerichtet werden. Angesichts der neuesten Entwicklungen auf EU-Ebene und einiger Initiativen von Seiten der Mitgliedstaaten fürchten wir jedoch, dass die Verordnung ihren eigentlichen Zweck gar nicht erfüllen wird.

Finance Watch hat Gastautoren aus verschiedenen EU-Staaten dazu eingeladen, die Reformbemühungen ihrer jeweiligen Länder auf nationaler und europäischer Ebene zu bewerten und dabei als Vertreter der Zivilgesellschaft auch ihre eigene Sicht auf die Entwicklungen zu geben. Wie die Beiträge zeigen, versuchen einige nationale Regierungen und Politiker in Brüssel aus einer Vielzahl an Gründen den Vorschlag zu blockieren oder zu verwässern. Einige hoffen, dass ein schwaches Gesetz gut für ihre heimischen Banken ist (und zwar auf Kosten der Systemstabilität), während andere die Risiken nicht richtig einschätzen, was passiert, wenn für Finanzinstitutionen, die über Landesgrenzen hinweg eng mit einander vernetzt sind, kein einheitlicher gesetzlicher Rahmen besteht.

Während der Vorschlag derzeit von den Gesetzgebern diskutiert wird, sowohl im Parlament als auch im Rat der Europäischen Union, hoffen wir mit dieser Artikelreihe die Debatte noch rechtzeitig zu beeinflussen. Wir wollen sowohl die Zivilgesellschaft als auch die Gesetzgeber dazu ermutigen, sich ebenfalls stark dafür zu machen, dass sich der Gesetzesvorschlag in die richtige Richtung entwickelt.

Twitter-Hashtag: #SplitMegaBanks

 

Hier sind die ersten Artikel der Reihe, weitere folgen in den kommenden Wochen:

France

2000px-Civil and Naval Ensign of France.svgDominique Plihon is a French economist, spokesperson of Attac France (Member of Finance Watch) and co-author of the recently published "Livre Noir des Banques". His blog contribution reminds us of the weakness in the French banking law and highlights the reasons for adopting such a low-impact regulation. More importantly, he sheds light on how the French approach to the issue of structure of banks is threatening the European regulation... Read the full article (in French)...

Österreich

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Wenn es noch eines weiteren Beispiels bedurfte, um die Notwendigkeit einer EU-Strukturreform des Bankensektors aufzuzeigen, dann dieses: das Debakel der ehemaligen österreichischen Bank Hypo Alpe-Adria, deren vergleichsweise kleine Bad Bank HETA über die Landesgrenzen hinaus aktuell für Verwerfungen im Finanzsystem sorgt. Thomas Zotter, Referent in der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der Arbeiterkammer Wien, hat sich den Fall einmal genauer angeschaut. Hier geht es zum kompletten Artikel...

France and Germany

fr-de-flagIain Hardie and Huw Macartney present here the outcome of their research on the political process that led to the European proposal for a structural reform of banks, sheding light on the role played in particular by France and Germany in the process. As lecturers in International Relations at the University of Edinburgh and in Political Economy at the University of Birmingham respectively, they provide us with a political perspective on the debate and its possible outcome, and show how the defense of national champions has been predominant in the policy making process... Read the full article (in English)

Belgium

Flag of BelgiumCompared to its neighbours France and Germany, Belgium passed a far more ambitious banking reform. However, as the contribution by Rosa Stucki from the Finance Watch member organisation Réseau Financité and Frank Vanaerschot from the NGO Fairfin will illustrate, the reform still falls short of guaranteeing systemic safety leaving many exceptions and loopholes, which is why the authors stress the need for ambitious reform at European level... Read the full article (in English)

Germany

Flag of GermanyGerman policy-makers have passed preemptive legislation on banking structure with the aim of influencing the direction in which the EU should go. Christian Ahlers from the consumer organisation “Verbraucherzentrale Bundesverband” (vzbv, a Finance Watch member) argues that the German reform is not well equipped to protect citizens and consumers. He warns that regulatory arbitrage and nationally fragmented supervisory approaches have in the past allowed the financial industry to bend existing rules, and this played a role in allowing the last crisis to happen... Read the full article (in English)

Italy

Flag of ItalyOur contribution from Italy by Andrea Baranes from the Finance Watch member organisation Fondazione Culturale Responsabilità Etica brings a view from a country that should have a strong interest in banking separation, yet politicians are reluctant to pursue the issue. The author describes the political standstill during Italy’s Council Presidency and argues that Italy’s failure to push the proposal during this period was a missed opportunity for Italy, which could only gain form banking structural reform... Read the full articlle (in English)

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